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Besuch von Jean Asselborn am GLH

Am 5. Februar 2026 besuchte Jean Asselborn, der langjährige ehemalige luxemburgische Außenminister, das Gymnasium Lüneburger Heide in Melbeck, um anlässlich des vierzigjährigen Schuljubiläums mit Schülerinnen und Schülern der Oberstufe zu diskutieren. Die Veranstaltung war der zweite Termin einer dreiteiligen Reihe zum Thema „Herausforderungen der Zukunft“. Der im Zeichen der politischen Herausforderungen der Zukunft stehende Abend begann nach einer Begrüßung durch Schulleiterin Dr. Antje Reichelt mit einem inspirierenden Plädoyer, in dem Asselborn die historische Bedeutung der Europäischen Union (EU) für Frieden, Wohlstand und die Sicherung europäischer Werte thematisierte.

Impulsvortrag zur EU

In seinem Vortrag betonte Asselborn die Rolle der EU als stabilisierende Kraft in Europa und hob hervor, wie wichtig die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten für den Erhalt demokratischer Werte und den Frieden sei. Er stellte heraus, dass die EU nicht nur eine wirtschaftliche Gemeinschaft, sondern auch ein Wertebündnis sei, das sich für soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung einsetze. Die Vorstellung einer zerbrechenden Union und eines Endes Schengen-Raums, wodurch wieder der Ausweis bei jedem Grenzübertritt kontrolliert würde, sei absurd und zeige trotz aller Mängel der EU deren historische Bedeutung, so Asselborn. Auf die europäischen Grundlagen von Frieden und Wohlstand gelte es sich gerade jetzt zu besinnen, da auf die USA als Verbündetem nicht mehr zu rechnen sei.   

Diskussionsrunde mit den Schülern

Nach dem Vortrag hatten die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe die Gelegenheit, mit Asselborn über verschiedene aktuelle Themen zu diskutieren. Die Gespräche umfassten mehrere im Anschluss an seinen Impulsvortrag relevante Fragen. So betonte Asselborn auf die Frage, welche Perspektiven die internationale Zusammenarbeit in der komplexen und schwierigen Weltlage heute habe, dass die internationale Gemeinschaft effektiver zusammenarbeiten müsse. Denn, so fragte er provokativ und verschmitzt, was bitte die Alternative zur Diplomatie sei? Hinter dem heute erreichten Zivilisationsstand dürften wir nicht zurückfallen. Die Vereinten Nationen würden derzeit von Russland, China und den USA blockiert, führte er weiter aus,  da von diesen dreien niemand Einmischungen in ihre Einflusssphären toleriere. Er forderte die Schülerinnen und Schüler auf, sich einzubringen und die Europäische Union weiterzuentwickeln. Das Prinzip der Einstimmigkeit „sei Quatsch“ und führe nirgendwo hin. In Anbetracht der anstehenden Herausforderungen dürfe die EU aber nicht blockiert sein. Sie müsse hingegen stark und handlungsfähig sein und man müsse darüber nachdenken, dass konventionelle Verteidigung gut sei, aber falls die NATO ausfalle, Frankreich die letzte verbliebene europäische Macht mit einem Potenzial atomarer Abschreckung sei. Des Weiteren ging es auch um das Erstarken autoritärer Kräfte. Asselborn analysierte die Faktoren, die zum Erstarken autoritärer Kräfte in Europa beitragen und diskutierte Strategien, um demokratische Werte in Zeiten des populistischen Aufschwungs zu verteidigen.

Der Besuch von Jean Asselborn am Gymnasium Lüneburger Heide war eine bedeutende Gelegenheit für die Schülerinnen und Schüler, um direkt und auf Augenhöhe mit einem erfahrenen Politiker über drängende und teils unbequeme Themen zu sprechen. Die Diskussionen förderten nicht nur das Verständnis für wichtige gesellschaftliche Herausforderungen, sondern ermutigten die jungen Menschen auch, aktiv an der Gestaltung ihrer Zukunft teilzunehmen. Denn Asselborn stellte heraus, dass es in den Händen der jungen Generation liegen werde, die Politik der Zukunft zu gestalten.

Der letzte Termin der Reihe wird am 12. März um 19 Uhr dem Thema „Die Ökonomie der Zukunft“ gewidmet sein. Zu Gast wird der Wirtschaftshistoriker und Transformationsforscher Professor Dr. Matthias Schmelzer sein, der mit Schülerinnen und Schülern über Degrowth, sein Konzept der „fossilen Mentalitäten“ und sozial-ökologische Transformation diskutieren wird.

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