Diskussion über Streitkultur mit Hasnain Kazim

Am 20.02. im 4. Block kamen die 9. – 11. Klasse in der Mensa zusammen, um mit dem ehemaligen Journalisten und heutigem Buchautor Hasnain Kazim, der auch Ausschnitte aus seinem neuen Buch vorlas, eine Diskussion zu Thema Streitkultur zu führen.

Kazim war in verschiedenen Ländern als Journalist tätig, beispielsweise in Tunesien und der Türkei, und schrieb dort auch regimekritische Berichte, die veröffentlicht wurden. Kazim, der in Deutschland geboren wurde und indische und pakistanische Wurzeln hat, war unter anderem für den „Spiegel“ tätig.

Bei der Lesung berichtete er von vielen Hass-Mails und sogar Morddrohungen, die er aufgrund seiner Recherchen, seiner Berichte, aber auch wegen seiner Herkunft bzw. seines Aussehens bekam. Der Inhalt war meist identisch, rassistische und rechtsextreme Äußerungen. Kazim hatte und hat nach wie vor Angst, dennoch antwortete er auf viele dieser Drohungen mit viel Witz und rhetorischem Können und führte seine Kontrahenten dadurch ein ums andere Mal aufs Glatteis.

In seinem neu erschienenem Buch „Auf sie mit Gebrüll“ erklärt der Autor mit Hilfe von über Mail geführten Konversationen seinen Umgang mit diesen Hasskommentaren. Dabei stellte er auch heraus, dass irgendwann der Punkt komme, an dem jeder sich die Frage stellen müsse, ob ab hier Kommunikation noch weitergeführt werden könne oder abgebrochen werden müsse, weil es keinerlei gemeinsamen Grund mehr gebe.

Immer wieder ging er bei Erzählungen auf den rechtsextremen Terroranschlag von Hanau ein, bei dem zehn Menschen starben. Neun der Opfer waren wahrscheinlich Menschen mit Migrationshintergrund.

Dafür, aber auch für den Mordanschlag auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, macht er öffentlich die AfD mitverantwortlich, denn diese höhlten die Demokratie von Innen aus. Sprache sei hier wirkmächtig, betonte er. Er ist zudem davon überzeugt, dass die AfD eine antidemokratische Partei sei, die ausländerfeindlich Stimmenfang betreibe.

In Bezug auf die Landtagswahlen in Thüringen sieht er die Stimmengewinne der AfD ebenso kritisch wie auch besorgt. Im Vergleich mit der Linken, die in Thüringen vor der Landtagswahl den Ministerpräsidenten stellte, schätzt er die AfD zurzeit als gefährlicher ein, betonte aber seine Position der politischen Mitte und die Ablehnung der politischen Ränder.

Am Ende richtete er sich mit einem Appell an alle Schüler/innen: Man solle sich politisch aktiver beteiligen, klarer Stellung beziehen und seine Meinung offen und ehrlich vertreten, statt, wie mehr oder weniger 60 Millionen Staatsbürger es täten, die Dinge mehr oder weniger widerstandlos über sich ergehen zu lassen.

Henry M.-N., 11. Jahrgang