Quo vadis, Afrika?

„Afrika wird immer wichtiger, sowohl aus wirtschaftlicher, kultureller, aber auch ökologischer Sicht“, sagte der Prinz Asfa-Wossen Asserate am Donnerstag, den 10.09.2020. Asserate ist der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers und studierte in Tübingen und Cambridge Rechtswissenschaften, Volkswirtschaft und Geschichte. Die Oberstufenschüler des GLHs bekamen in seinem Vortrag „Quo vadis, Afrika? Politik, Wirtschaft und Migration“ einen umfangreichen Einblick in die heutige Situation Afrikas.

Anfangs machte Asserate deutlich, dass sich Afrikas allgemeine Situation verglichen zu früher verbessert habe. Denn Afrika erlebte einen rasanten Aufstieg, der durch Afrikas Ressourcenreichtum an Gold, Silber und Quarz sowie durch neue Handelspartner entstanden ist. Außerdem nimmt der Kontinent aktiv am digitalen Zeitalter teil, zum Beispiel besitzen fast 900 Millionen Afrikaner ein Smartphone. Das Internet soll sich sehr schnell verbreitet haben. Trotzdem gibt es immer noch einige Baustellen. Beispielswiese sind vieler dieser Smartphones aus China und nur von sehr minderwertiger Qualität. Ein weiteres Beispiel für diese sogenannten „Billigprodukte“ sind Hähnchenschenkel, die in Massen aus Europa als Geflügelreste nach Afrika importiert werden – und die dortige Landwirtschaft schädigen. Des Weiteren sprach Asserate von einer Art Ausbeutung des Kontinents und „italienischen Sklaven“. Als „italienische Sklaven“ bezeichnete er Afrikaner, die zwangsweise nach Italien migrieren mussten, um sich einen Arbeitsplatz zu sichern, da sie keinen in Afrika fanden. In Italien werden diese Afrikaner schlecht bezahlt und die Produkte, die sie dort herstellen, werden wieder für deutlich mehr Geld in ihrem eigenen Land bzw. Kontinent verkauft.

Asserate sprach von einer neuen Art der Völkerwanderung, die sich u.a. durch die beschriebene Zwangsmigration begründen lässt. Eine weitere Ursache sei der Anstieg der Bevölkerung. Er schätzt einen Anstieg im Jahre 2050 von den jetzigen 1,2 Milliarden auf 2,4 Milliarden Menschen. „Und solange es keine Minimumrente gibt, wird sich daran wohl nichts ändern“, sagte der Prinz. Zudem spielt die Korruption der einzelnen Länder eine entscheidende Rolle und sei ausschlaggebend für die Zunahme der Migrationsrate. Um die schwierige Situation in Afrika zu verbessern, müsse die jetzige Generation einschreiten und gegen die korrupten Regierungen der einzelnen Staaten protestieren.

Abschließend folgte eine fünfundvierzig-minütige Fragerunde, in der er seine Einschätzung zur Coronakrise in Äthiopien darstellte. Medizinische Folgen der Krise seien nicht gravierend, jedoch mache er sich Sorgen um die wirtschaftlichen und sozialen Folgen für sein Geburtsland und den ganzen Kontinent. Besonders der Tourismussektor wird stark betroffen sein und viele Menschen werden dadurch ihren Arbeitsplatz verlieren.

Annika von Beek, Jg.13